Traufgänge Champion - alle Traufgänge in knapp 19 Stunden

Respekt! Der Hechinger Ultraläufer Carsten Heinz hat "abgeliefert". Das Vorhaben von Carsten Heinz, alle acht Traufgänger-Touren innerhalb von 24 Stunden zu absolvieren und dabei mehr als 90 Kilometer und 3.400 Höhenmeter zurückzulegen, ist geglückt. Nach insgesamt knapp 19 Stunden hielt der Hechinger Ultraläufer seinen ausgefüllten Traufgänge-Stempelpass in den Händen.

Stolz, müde, überwältigt und durchaus auch ein bisschen emotional: So beschreibt Carsten Heinz den Moment um 23.08 Uhr am Samstagabend des 18. Juli 2020, als er die letzten Meter zurück zum Parkplatz des Schlossfelsenpfades zurücklegt. Es ist mittlerweile Nacht. Stockdunkle Finsternis hat sich auf die Alb gelegt. Das einzige Licht kommt von den Stirnlampen, die die schmalen Pfade ausleuchten und das fast schon zufällig auf den zehnten und damit letzten Stempelkasten fällt, bevor Heinz und seine zwei Begleiter daran vorbeilaufen. „Die letzten Kilometer waren so hart“, erzählt der 42-Jährige und lächelt gequält. Noch 7 oder 8 Kilometer müssen vor ihnen gelegen haben, als es ihm plötzlich richtig schlecht ging. Übelkeit, schmerzende Muskeln und dann der Schreck, als plötzlich zwei aggressive Hunde aus der Dunkelheit auf die Läufer zugesprungen kamen. „Ich habe mich hingehockt, die Hände über den Kopf genommen und gedacht, das war es jetzt“, sagt Heinz – und muss im Nachhinein ein bisschen über die absurde Situation schmunzeln. Natürlich war es das nicht. Und auch die letzten Kilometer packt er dann noch. Zwar langsamer und mit einigen Gehpausen, doch dank der Begleitung seiner Laufkameraden Ingo Kolodzey und Timo Wäschle geht es vorwärts, bis ins Ziel. Als das Auto in Sichtweite kommt, werden auch die Augen feucht.

Hinter Carsten Heinz liegen zu diesem Zeitpunkt schon etliche Stunden Laufen über die Schwäbische Alb. 3 Uhr in der Früh ist es, als der Wecker den Heilerziehungspfleger aus dem Schlaf klingelt, und schon eine Stunde und ein paar Schluck Kaffee später steht Heinz mit Kumpel Ingo Kolodzey am Start zum Traufgang Zollernburg-Panorama. 17 Kilometer mit 520 Höhenmetern und einem unvergleichlichen Sonnenaufgang über der Alb sind geschafft, als Carsten Heinz die zweite Tour antritt – und die einzige, die er an diesem Tag alleine zurücklegen muss. „Ich habe mich richtig gut gefühlt, voller Adrenalin, frisch in den Muskeln, hoch motiviert“, sagt der 42-Jährige später. So frisch und motiviert, dass die erste richtige Frühstückspause erst nach dem dritten Traufgang und damit nach stolzen 44 Kilometern kommt. Auf den Touren selbst muss die kurze Verpflegung mit Getränken und kleinen Snacks aus dem Trailrucksack reichen, die längeren Rastpausen werden nur am Auto gemacht. Und die Schuhe wechselt er auch. „Ich hatte gedämpfte Schuhe für die einfacheren Strecken dabei, für die technischen Routen mit mehr Profil und Höhenmetern gab es dann ein anderes Paar“, erzählt Heinz.

Doch was am Anfang locker und flockig läuft, wird an der Ochsenbergtour doch noch zur Qual. „Die Königsetappe, den Felsenmeersteig, hatte ich da hinter mir. Und meine 50-Kilometer-Grenze auch“, erklärt der Ultraläufer. 50 Kilometer: Das ist die Strecke, die er sich sogar relativ unvorbereitet zutraut, körperlich wie mental. Doch das letzte Mal 50 Kilometer an einem Stück ist er vor gut einem Jahr gelaufen – und das ist eben schon eine ganze Weile her. Jetzt geht um nahezu doppelt so viel. „Die Beine waren müde, das Anlaufen nach einer Pause immer schwieriger. Da kommt einem schon der Gedanke, man könnte den Mund zu voll genommen haben“, sagt Heinz. Doch er rafft sich zusammen, hält durch und genießt die schönen Momente: den Sonnenuntergang, den Blick über Ebingen bei Nacht, einen kompletten Tag Schwäbische Alb in all ihren Facetten. „Ein Paradies für Trailrunner“, schwärmt der Heilerziehungspfleger: „Es war wie ein Puzzle, dass sich da vor einem zusammensetzt. Wacholderbüsche, Ruinen, Höhlen, das Felsenmeer… So schön ist es doch nirgendwo sonst!“ Und er witzelt mit Laufbegleiter Timo Wäschle über die Tatsache, dass sie beide noch zu Schulzeiten die unsportlichsten in der ganzen Klasse waren, die sich vor dem Laufen bei jeder Gelegenheit zu drücken versuchten.

Am Ende des Tages zieht die Sportuhr Bilanz: Über 6.300 Kalorien hat Carsten Heinz auf seiner 90 Kilometer langen Traufgänger-Tour verbraucht. Auf reine Laufzeit entfielen dabei gerade einmal 14 Stunden und 13 Minuten. Und auch, wenn er am Tag danach vor Muskelkater kaum noch Treppen hoch- und runterkommt und es bei jeder Bewegung ordentlich zwickt, so spukt schon die nächste Idee in seinem Kopf herum. Beispielsweise alle 10 Tausender in der alten Heimat um Wehingen zu laufen oder sogar die 100-Kilometer-Grenze zu knacken. „Das Tolle daran? Es verschieben sich Grenzen. Früher waren 50 Kilometer viel. Jetzt denkt man plötzlich, es sind ja „nur“ 50 Kilometer“, sagt Carsten Heinz. Und lacht. Auf das Abgeben des Stempelpasses freut er sich schon jetzt. Ob er es nochmal tun würde? „Defitiniv“, sagt Heinz: „Aber nächstes Mal auf Zeit!“

Repekt sagen wir da und Herzlichen Glückwunsch für diese Wahnsinns-Leistung "Mr. King of Traufgänge Carsten Heinz"!

(Artikel von Denise Bernard, 20.07.2020)

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